Jährlich werden über 250 Opfer von Menschenhandel entdeckt

Neue Zürcher Zeitung – 18.10.2017

Jedes Jahr werden in der Schweiz über 250 Opfer von Menschenhandel entdeckt. Die Dunkelziffer dürfte jedoch weit höher sein. Um gegen den Menschenhandel zu kämpfen, gehen verschiedene Organisationen und Behörden ein Jahr lang mit einem Informationsbus auf Tournee durch die Schweiz. Der Bus wurde am Mittwoch - am Tag gegen Menschenhandel - in Bern eingeweiht. Ziel ist «die breite Öffentlichkeit auf dieses Verbrechen aufmerksam» zu machen, wie das Eidgenössische Justiz und Polizeidepartement (EJPD) in einer Mitteilung schreibt. «In der Schweiz werden Kinder, Frauen und Männer zum Betteln gezwungen, zur Prostitution genötigt oder als Arbeitskraft ausgebeutet.» Opfer von Menschenhandel seien vor allem im Sex-, Bau- und Gastgewerbe, in der Hauswirtschaft, in der privaten Pflege und in der Landwirtschaft anzutreffen. Die meisten davon blieben unerkannt und erlitten tagtäglich grosses Leid. «Sie sind Opfer von Kriminellen, die die Abhängigkeit und Verletzlichkeit dieser Menschen ausnutzen.»

Ausgebeutet und betrogen
Opfern von Menschenhandel sei ihr Leid oft auf den ersten Blick nicht anzusehen. «Ein Gesicht verrät nicht immer, was ein Mensch durchgemacht hat», schreibt das EJPD. «Dahinter verborgen ist vielleicht eine Frau, die sexuell ausgebeutet wird und Gewalt erleiden muss.» Oder es sei ein Mann, der sich unter falschen Versprechungen habe anwerben lassen, dessen Pass eingezogen worden sei, und der «für wenig oder gar kein Geld» arbeiten müsse. Im Informationsbus erwarten die Besucher Erfahrungsberichte von Opfern, Bilder, Zahlen und Erklärungen zum Thema. Er wird ein Jahr lang mehrere Städte in der Schweiz ansteuern.

Aktionswochen sollen sensibilisieren
Ebenfalls am Mittwoch beginnen die Schweizerischen Aktionswochen gegen Menschenhandel, die bis zum 3. November dauern. In mehreren Kantonen finden Veranstaltungen statt. So werden Dokumentarfilme oder Ausstellungen gezeigt.

Lanciert wurde der Informationsbus gegen Menschenhandel vom Schweizer Büro der Internationalen Organisation für Migration (IOM) und der Fondation neuchâteloise pour la coordination de l‘action sociale (FAS). Verschiedene Bundesstellen unterstützen sie dabei, so das Bundesamt für Polizei (Fedpol), das Staatssekretariat für Migration (SEM) und das Aussendepartement (EDA).

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